PRAXIS LIVE Nr. 38
Wartungswege auf dem Flachdach
In Deutschland definieren spezifische Baunormen und die Flachdachrichtlinie strenge Anforderungen an Wartungswege, um die Langlebigkeit der Dachabdichtung zu sichern und die Arbeitssicherheit zu garantieren.
Zentrale Vorschriften und Normen für Wartungswege
- DIN 4426
Als fundamentale Planungsgrundlage definiert diese Norm die Anforderungen an Verkehrswege auf Dächern. Sie legt fest, wie Wartungswege und Absturzsicherungen technisch beschaffen sein müssen, um eine gefahrlose Begehung zu ermöglichen. - DGUV Information 201-056
Dieses Regelwerk ist entscheidend für die Gefährdungsbeurteilung. Je nach Nutzungshäufigkeit und Nutzerkreis (vom Fachmonteur bis zum Laien) werden die Ausstattungsklassen 1 bis 4 herangezogen, um das erforderliche Sicherheitsniveau (z. B. Geländer vs. Anschlageinrichtung) zu bestimmen. - Flachdachrichtlinie (ZVDH)
Neben der Sicherheit steht hier der Bauwerksschutz im Fokus. Die Richtlinie fordert beispielsweise ein Mindestgefälle von 2 %, um Staunässe auf den Wartungswegen zu vermeiden und die Langlebigkeit der Abdichtung zu sichern.
Technische Anforderungen an die Ausführung
- Mechanischer Schutz & Lastverteilung:
Zum Schutz der Dachabdichtung gemäß DIN 18531 müssen punktuelle Belastungen vermieden werden. Der Einsatz von Lastverteilungsplatten oder Bautenschutzmatten aus Gummigranulat verhindert Druckstellen in der Dämmung und schützt die Dachhaut vor mechanischen Beschädigungen. - Normgerechte Absturzsicherung:
Gemäß DGUV und ASR A2.1 ist eine Sicherung bei Arbeitsplätzen und Verkehrswegen ab einer Absturzhöhe von 2,00 m zwingend erforderlich. Hierbei haben kollektive Schutzmaßnahmen (z. B. Seitenschutz/Geländer) Vorrang vor individuellen Systemen (z. B. Sekuranten/Anschlagpunkte). - Visuelle Kennzeichnung & Wegeführung:
Für eine sichere Orientierung müssen Wartungswege eindeutig markiert sein. Dies erfolgt durch kontrastierende Farben, spezielle Oberlagen oder eine physische Abgrenzung, um ein versehentliches Betreten ungesicherter Dachbereiche zu verhindern.
Die FDT bietet für beide Dachbahnensysteme, Rhepanol und Rhenofol, Gehwegplatten an.
Die Rhepanol Gehwegplatten (Gesamtdicke 9 mm) sind ein Produkt aus Polyisobutylen (PIB). Beim Rhenofol Dachbahnensystem bestehen diese aus Polyvinylchlorid weich (PVC-P).
Die strukturierte Oberfläche bietet einen sicheren Halt, auch auf geneigten und feuchten Flächen. Ebenso hat die Platte eine gute lastverteilende Wirkung.
Rhepanol h-Gehwegplatten werden zum Schutz der Abdichtung und für die Kennzeichnung von Wartungswegen auf Flachdächern mit heißluftverschweißbaren Rhepanol (PIB)-Dachbahnen eingesetzt.
Rhenofol-Gehwegplatten werden zum Schutz der Abdichtung und für die Kennzeichnung von Wartungswegen auf Flachdächern mit Rhenofol (PVC) eingesetzt.
Verarbeitung:
- Verlegung direkt auf frischen, sauberen und trockenen Rhepanol oder Rhenofol Dachflächen.
- Fixierung mit FDT Klebe- und Dichtungsmasse, die umlaufend, nach Reinigung mit dem FDT Aktivator, ca.1 cm vom Plattenrand in Form einer ca. 1,5 cm dicken Raupe auf die Gehweg-platte aufgetragen wird.
Anschließend die Gehwegplatte auf den, mit FDT Aktivator gereinigten Bereich der Dachbahn auflegen und mit der Handrolle so anrollen, dass sich die FDT Klebe- und Dichtungsmasse leicht nach außen drückt.
- Alternativ kann die Lagesicherung der Gehwegplatte bei beiden Dachbahnen auch durch eine Verschweißung mit Heißluft erfolgen. Die Verschweißung muss umlaufend dicht sein, damit sich keine Wassersäcke bilden können.
- Alternativ bei Rhenofol: Fixierung mit Rhenofol-Paste, die umlaufend, ca. 3 cm vom Plattenrand in Form einer ca. 2 cm dicken Raupe auf die Dachfläche aufgetragen wird. Anschließend wird die Rhenofol-Gehwegplatte eingelegt und die Außenkanten nochmals mit Rhenofol-Paste versiegelt.
- Bei älteren und verschmutzten Dachflächen mit Rhepanol hfk, sind diese im Bereich der zu verlegenden Gehwegplatten gründlich zu säubern. Die Nahtbereiche sind mit Rhepanol h-Intensivreiniger 50 zu reinigen und nach einer Ablüftezeit von ca.1 Stunde sind die Nahtbereiche mit h-Nahtreiniger vor dem Verschweißen vorzubehandeln. Die Nahtfügung erfolgt dann mittels Heißluftverschweißung.
- Bei älteren und verschmutzten Dachflächen mit Rhenofol, sind die Nahtbereiche gründlich zu reinigen und mit Rhenofol-Verdünner D vorzubehandeln. Sollte das nicht reichen, kann alternativ zur Vorbehandlung Rhenofol-Quellschweißmittel (THF) verwendet werden. Die Nahtfügung erfolgt dann mittels Heißluftverschweißung.
- Weitere Lagesicherungsmaßnahmen sind nicht erforderlich.
Hinweis: Abstand der Platten zueinander mindestens 5 cm.
Verfasst von: Ralf Nachbar, ralf.nachbar@holcim.com



